Spanische Philosophie in deutscher Sprache


Karl Eschweiler (1886-1936), «Die Philosophie der spanischen Spätscholastik auf den deutschen Universitäten des siebzehnten Jahrhunderts.» Spanische Forschungen der Görres-Gesellschaft I, Aschendorff, Münster 1928, pp. 251-325.

 0   I   II   III   IV   V   VI   VII 


IV

Der Vorsprung der Jesuiten in der Entwicklung des philosophischen Unterrichtes am Ende des sechzehnten Jahrhunderts

§ 12. Welches sind die Gründe, warum die durch Suarez bestimmte Denkweise im siebzehnten Jahrhundert zu erstaunlich weitreichender Wirksamkeit gelangen konnte, während der Thomismus nur in kleinen und vereinzelten Kreisen lebendig geblieben ist? Das ist eine ideengeschichtliche Frage, deren sachliche Beantwortung an die letzten Gründe führen muss, in denen der so heterogen erscheinende Komplex, «Neuzeitlicher Geist» genannt, zusammenhält. Wohl drängen sich eine Masse von geschichtlichen Umständen auf, die das äußere historische Geschehen auf den Augenschein hin verständlich machen, falls man eine mit etwas Psychologie verbundene Aneinanderreihung von politischen und literarischen Daten ein ideengeschichtliches Verständnis nennen will. Aber im vorliegenden Falle handelt es sich um das geschichtliche Vordringen bzw. Zurücktreten metaphysischer Prinzipien; es liegt ein Objekt vor, an dem eine positivistische Geschichtsbetrachtung im doppelten Sinne rasch fertig sein wird. Eine historische Erforschung des Einflusses der spanischen Spätscholastik auf die Philosophie der Neuzeit muss auch die politischen und literarischen Tatsachen feststellen und erzählen; das ist genau so notwendig wie die Sinnestätigkeit für die menschliche Erkenntnis. Die politischen, psychologischen und literarischen Daten sind jedoch hier so unmittelbare Äußerungen eines prinzipiellen Denkhabitus, dass sie von einem Auge, welches einseitig auf das Historische im positivistischen Verstande abgerichtet ist, nicht einmal wahrgenommen werden können.

Zu dieser inneren Schwierigkeit der Frage, wie das Vorherrschen der Jesuitenschule auf den Artistenfakultäten des siebzehnten Jahrhunderts zu erklären ist, kommt die außerordentliche Breite des historischen Materials. Deshalb kann es sich hier nur um den Versuch handeln, die Frage selbst einmal richtig zu stellen. Das entspricht allein dem Zwecke, der dieser allgemeinen Übersicht gesetzt ist, nämlich die [284] Bedeutung einer historischen Aufgabe sichtbar zu machen, die auch stofflich so umfangreich ist, dass ihre Lösung kaum weniger Arbeitskräfte erfordert, als sie die Erforschung der Philosophie des Mittelalters glücklicherweise schon gefunden hat{55}.

Thomas Specht erzählt über die Gründung der Universität Dillingen, dass der Kardinal Otto Truchseß zunächst den spanischen Dominikaner Petrus de Soto, den berühmten Konzilstheologen von Trient, mit der Einrichtung der neuen katholischen Akademie betraut habe. Von den sechs Professoren der Philosophie und Theologie, die bei der Gründung angestellt wurden, kamen drei aus Löwen; die drei anderen waren die spanischen Dominikaner Petrus de Soto, Martinus de Olave und Jacobus (Zareba?), die, wie es vorläufig scheint, aus der hohen Schule des Franc. de Vitoria von Salamanca kamen. Im Februar 1651 schickte Petrus den Fr. Jacobus nach Spanien, um dort neue Professoren für die junge deutsche Akademie zu erbitten. Drei Dominikaner traten mit Jacobus die Reise nach Deutschland an; doch zwei von ihnen starben unterwegs und der dritte kurz nach dem Eintreffen in Dillingen. Petrus de Soto verließ im März 1555 Dillingen und Deutschland; Kardinal Pole nahm ihn mit nach Oxford. «Soto selbst war es», wie Specht berichtet, «der, obwohl Dominikaner, dem Kardinal Otto den Rat gab, die Jesuiten nach Dillingen zu rufen und ihnen ein Kollegium zu bauen.» Am 22. Oktober 1563 hielten die ersten Jesuiten ihren Einzug in Dillingen und übernahmen bald darauf die Leitung der jungen Hochschule. Die Professoren wählte der General Laynez aus den Zöglingen des Collegium Romanum. Es ist bemerkenswert, dass von den zwei Professuren für Philosophie und für scholastische Theologie je eine mit einem Spanier, mit Christoph Herrera und Hieron. Torres, besetzt wurden; ihnen folgten noch die spanischen Ordensbrüder Alfons Pisa, genannt Pisanus (1567-1570) und Gregor de Valencia (1573-1575){56}.

Dillingen ist der einzige Versuch geblieben, den dominikanischthomistischen Zweig der spanischen Spätscholastik in die aufgewühlte Erde des Reformationslandes zu verpflanzen. Es ist wohl glaubhaft, dass [285] Petrus de Soto selbst dem Kardinal Truchseß empfohlen habe, die Hilfe der Stiftung des hl. Ignatius in Anspruch zu nehmen; er mochte ahnen, dass die straffere Organisation der Gesellschaft Jesu auch die philosophischen und theologischen Schulmeister stellen könne, die den besonderen Bedürfnissen in Deutschland wirksamer begegnen würden. Jedenfalls ist gerade das Gymnasium und die Hochschule das Feld geworden, auf dem sich die Erneuerung und Festigung des katholischen Lebens durch die Gesellschaft Jesu mit unvergleichlichem Schwung entfaltet hat; der hl. Petrus Canisius ist nicht zum wenigsten durch seine pädagogische und dozierende Tätigkeit «der zweite Apostel der Deutschen» geworden. In die alten Domschulen, die katholisch geblieben waren, zog die Ratio studiorum ein; ihr eigenartiger Humanismus war energisch auf das Ziel gerichtet, die Aneignung des Wissensstoffes in einer gewandten Beherrschung der Ausdrucksmittel zu vollenden. Das pädagogische Werk der Gegenreformation oder Generalreformation wurde gekrönt durch die Erneuerung der philosophischen und theologischen Studien. An den größeren Orten, wo keine Universitäten waren, entstanden im Laufe des Reformationsjahrhunderts Jesuitenkollegien, die zugleich den praktischen Bildungsbedürfnissen des niederen Klerus entsprachen; einige von ihnen, wie Graz, Bamberg, Paderborn, Münster, Osnabrück, sind kurz vor oder während des Dreißigjährigen Krieges zu theologisch-philosophischen Akademien oder Volluniversitäten ausgebaut worden. Aber schon gegen das Ende des sechzehnten Jahrhunderts waren die Jesuiten an allen katholischen Universitäten zu mehr oder weniger starkem Einfluss gekommen; sei es, dass sie, wie in Ingolstadt, Wien, Würzburg, Mainz, Trier, mit einer Anzahl von Professuren der Universität inkorporiert waren; sei es, dass sie, wie in Prag, Köln und Freiburg i. B., zunächst in gesonderten Kollegien dozierten. Der Einfluss der neuen Schulorganisation steigerte sich, bis er unter dem Kaiser Ferdinand II. den Höhepunkt erreichte: Etwa vom Jahre 1625 an hatten die Jesuiten philosophische und scholastisch-theologische Lehrstühle auf sämtlichen Universitäten des katholischen Deutschland fest im Besitz, meistens bis zur Aufhebung des Ordens i. J. 1773, überall aber mindestens ein Jahrhundert lang. Auch die merkwürdig konservative Kölner Theologie musste in diesem Punkte dem Geiste der neuen Zeit entgegenkommen; die Benediktiner-Universität in Salzburg ist die einzige, an der im siebzehnen Jahrhundert eine mehr dem Thomismus zugeneigte Philosophie und Theologie gepflegt worden ist{57}.

§ 13. Eine positivistische Geschichtsbetrachtung vermag diesem Siegeszug der Jesuitenschule nicht historisch-wissenschaftlich gerecht zu [286] werden; es genügt nicht, ihn zur Hauptsache aus der Staatspolitik der kirchlichen und weltlichen Mächte zu erklären und, falls im günstigen Falle überhaupt noch ein unerklärlicher Rest gemerkt wird, diesen der so schwierigen Ideengeschichte zu überlassen. Die Hauptursache für das Vorherrschen der Jesuitenschule kann nur in dem besonderen Geiste dieser Schule selbst liegen und die politische Praxis der Ferdinande, der Wilhelm und Albrecht, der Truchseß und Echter v. Mespelbrunn usw. ist tatsächlich nichts anderes als ein Mittel des neuen Schulgeistes gewesen. Denn wäre es umgekehrt, d. h. wäre das Schulwesen der Gesellschaft Jesu nur ein Mittel für die Machtpolitik der katholischen Fürsten gewesen, wie könnte es dann Tatsache geworden sein, dass die Philosophie derselben Schule fast zu derselben Zeit (um die Wende des siebzehnten Jahrhunderts) auch auf den protestantischen Universitäten Deutschlands und Hollands zur Vorherrschaft gelangt ist? Hier ist ein deutliches Beispiel, dass es auch Ideen gibt, die Geschichte machen.

Der philosophische Betrieb auf den Artistenfakultäten des sechzehnten Jahrhunderts beschränkte sich diesseits der Alpen auf Dialektik und auf einzelne Fragen der Physik. Die logischen Summulae in Duodez-Format beherrschen die Literatur dieser Zeit und kennzeichnen den Stand eines philosophischen Studiums, dem der Nominalismus den Mut gebrochen hatte, über die nächstliegenden Notwendigkeiten der gelehrten Praxis hinaus in das Reich des Intelligiblen, Metaphysischen vorzudringen{58}. Die Aristoteles-Renaissance in Italien konnte nur hier und da, wie in Tübingen und Altdorf, ein ernsteres philosophisches Streben aufwecken. Sonst war alles darauf angelegt, die denk-genügsame Rhetorik eines Peter Ramus als letzte Philosophie über sich ergehen zu lassen. In diese Welt tritt nun die Jesuitenschule mit ihren von subtilsten Spekulationen geladenen Quartanten und Folianten auf; und sie kam als Erfüllerin der tiefsten philosophischen Zeitbedürfnisse. Diese Schulphilosophie brachte zum ersten Male den gesamten Aristoteles [287] in einem geschlossenen Zusammenhange; und sie war dabei doch Schulphilosophie auch in dem engeren Sinne, dass sie eine Aristoteles-Kommentation bot, die sich nicht in die gefürchteten Dunkelheiten des Textes verlor, nicht mühsam einzelnen Sachfragen nachging, sondern alle Weisen der Vorzeit wie zu einem Theatrum philosophicum versammelte, um aus ihrem Zwiegespräch einen weltumspannenden und dennoch klar fasslichen Aristotelismus zu gewinnen. Das ungeheure Gebiet des damals als Philosophie verstandenen Wissens war nun endlich in ein System gebracht, mit dem sich etwas machen ließ, das sich zum Beispiel in einem zwei- oder dreijährigen Cursus philosophicus perfekt dozieren und erlernen ließ{59}.

Ein einzelnes, aber lehrreiches Zeugnis für den Eindruck, den die Schulphilosophie der Jesuiten auf das ausgehende Reformationsjahrhundert gemacht hat, ist die Epistola dedicatoria, die der Verleger der ersten deutschen Ausgabe der Disputationes metaphysicae des Suarez vorausgeschickt hat. In zierlicher Humanistenrede preist dieser Civis et bibliopola Coloniensis die Würde der Philosophie, der dem Kopf der Gottheit entsprungenen, und hebt dann den Schaden hervor, den ihre Geringschätzung in dermaligen Zeiten nicht zuletzt auch der Theologie gebracht habe{60}. «Verum Deus Opt. Max. tantam mentis caliginem [288] Ecclesiae Catholicae offundi non diu permisit, sed inde ab (d. i. 1699) annis quinquaginta eoque amplius ex celeberrima totius Europae Academia (Salamanca? oder Rom?) homines certos Philosophia Theologiaque illa subtiliori egregie excultos divinitus excitavit, qui in unam Societatem sanctissime devincti, Collegiis in Italia, Lusitania, Hispania, Germania, Gallia, Polonia constitutis, magno bonorum applausu omnium laudandarum artium ac inprimis utriusque Philosophiae, profanae atque sacrae, ludos ad exemplum praestantissimarum, quarundam Academiarum aperuerunt; eosque inter alios doctissimos viros non paucos publicis in Aristotelem et D. Thomam Aquinatem, Scholasticorum Theologorum facile principem, partim praelectionibus partim disputationibus doctissimis cum summa ingenii et eruditionis laude hactenus sic exornarunt, ut omnes sapientiae candidati impense gaudeant, tandem aliquando nonnullorum, qui in docendo inprimis eminuissent, commentarios Chalcographorum opera lucem aspexisse: ut Francisci Toleti, Benedicti Pererii, Petri Fonsecae, Ludovici Molinae, Gregorii de Valentia et Professorum Conimbricensium ac nunc postremo R. P. Francisci Suarez, Theologi pariter et Philosophi acutissimi ingenii».

§ 14. Mit dem Erscheinen der Metaphysik des Suarez im Jahre 1597 war der neue Aristotelismus, den Petrus Fonseca mit seinen Institutiones dialecticae eingeleitet und die Conimbricenses im Jahre 1592 mit ihren freien Kommentaren zu den physikalischen Aristoteles-Schriften fortgesetzt hatten, vollständig veröffentlicht; die große maßgebende Summe des philosophischen Wissens lag bereit, um in handliche Schulbücher umgesetzt zu werden. Wo blieben aber die Cursos philosophici der spanischen Thomisten? Erst musste sich die Zeitgemäßheit und Zeitmächtigkeit der neuen Schulphilosophie breit durch ganz Europa hin verwirklicht haben, ehe die Thomisten ebenso wie die Skotisten gleichsam vom Selbsterhaltungstrieb gedrängt wurden, in der modischen Weise der Cursus philosophici mitzulaufen. Im Jahre 1624 haben die Karmeliter an der Universität zu Alcala (Complutum) zuerst eine thomistische Interpretation des Aristoteles in der zeitgemäßen Darstellungsform herausgegeben; ihr Collegium Complutense ist das verspätete thomistische Gegenstück zu dem Collegium Conimbricense der Jesuitenschule{61}. Aber es ist sehr beachtenswert, dass die suarezische Metaphysik überhaupt kein thomistisches Gegenstück gefunden hat, es sei denn, dass man den verhältnismäßig kleinen metaphysischen Abschnitt in der [289] Summa philosophiae des Karmeliters Philippus a SS. Trinitate (erschienen 1648 in Lyon) dafür nehmen will. Auch die stärkste philosophische Begabung, die in der gesamten spanischen Spätscholastik hervorragt, der von einem ungarischen Edelmann abstammende und 1589 in Lissabon geborene Dominikaner Johannes a S. Thoma hat seinen Cursus philosophicus (vollständig Madrid 1648) nur bis an die Schwelle der Metaphysik hinführen können. Offenbar ist es ungleich schwerer gewesen, das metaphysisch intelligible Sein aus der thomistischen Denkweise heraus in ein übersichtliches schulmäßiges Begriffssystem zu bringen, als mit Suarez und Vasquez das ens quatenus ens in den sogenannten conceptus objectivi zu produzieren und daraus die letzten Gründe der Wirklichkeit in allgemeingültigen, ewigen, notwendigen Sätzen mit der entsprechenden «objektiven» Evidenz zu deduzieren.

Die logizistische Metaphysik des Begriffswesen-Denkens hatte also auf katholischer Seite schon zeitlich einen weiten Vorsprung. Ihrem geschmeidigen und doch so klaren, höchst subtilen und dennoch sehr praktischen System gehörte die Welt des Barock. Im folgenden sei versucht, einen Weg zu den historischen Gründen anzubahnen, aus denen die auffallende Tatsache, dass die Schulphilosophie der Jesuiten den Betrieb auf den protestantischen Artistenfakultäten des siebzehnten Jahrhunderts beherrscht hat, zu erklären ist.


{55} Einen Anfang bildet die von Adolf Dyroff herausgegebene Sammlung: Renaissance und Philosophie, Beiträge zur Geschichte der Philosophie, Bonn (seit 1908) mit Beiträgen über die Willenstheorien von Laur. Valla, Pomponatius, Becanus, die Staatsphilosophie des Fox Morcillo, die Kunsttheorie des J. Caes. Scaliger, die Logik des Petrus Fonseca.

{56} Thomas Specht, Geschichte der ehemaligen Universität Dillingen, Freiburg i. Br. 1902, S. 10 f., 43, 56 ff., 77, 301, 306. Über die Persönlichkeit Sotos und seine Wirksamkeit auf dem Trienter Konzil s. jetzt die Artikel von Venancio D. Carro O. P., «El maestro Fray Pedro de Soto» in La Ciencia Tomista, Año XIX (Madrid 1927), p. 159-182 und 329-358; diese Artikel sind Vorboten eines größeren Werkes, das P. Carro 1. c. 159 mit dem Titel: Fray Pedro de Soto y las Controversias Politico-Teológicas del siglo XVI ankündigt.

{57} Einen Überblick über den Stand der Jesuiten-Professuren beim Beginn des 17. Jahrhunderts bietet Bernhard Duhr, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge, 2. Bd, 1. Teil, Freiburg i. B. 1913, S. 541-595.

{58} Zur Kennzeichnung dieser philosophischen Literatur seien einige dialektische Summulae, die an der Kölner Artistenfakultät im Gebrauch waren, mit ihrem bibliographischen Titel angeführt: Rodolphi Agricolae Phrisii De Inventione dialectica libri omnes integri, Coloniae 1518; Joannis Caesarii Dialectica, Coloniae 1532; Georch Trapezuntii genere Cretensis de re dialectica libellus, una cum scholijs Joannis Noviomagi, Coloniae 1545; Laurentii Vallae Romani, Dialecticarum disputationum libri tres, eruditiss. opera Joannis Noviomagi castigati diligenter, Coloniae 1541. Vergleicht man diese philosophischen Fibeln mit Melanchthons Erotemata dialectices, so ähneln sie sich nicht nur in der Würze anzeigenden Kürze, sondern auch in dem Bestreben, gleich mit der Logik auch das Unentbehrlichste von der Metaphysik zu erledigen. Im ganzen sind das Zeugen dafür, wie praktisch man um des Schulbetriebes willen mit der Wissenschaft umzugehen verstand schon zu einer Zeit, da Hochschul-Pädagogik noch nicht als «Problem» aufgestellt war.

{59} Auf der fünften Generalkongregation der Ges. Jesu (1593-1594) wurde engeregt, «ut auctoritate Congregationis conficeretur aliquis cursus Philosophicus», s. G. K. Pachter S. J., Ratio-Studiorum et Institutiones scholasticae Societatis Jesu, tom. 1. p. 83. Die Ausführung dieser Anregung wurde damals dem Ermessen des P. General überlassen; sie ist natürlich, weil untunlich (es hätte, von anderem abgesehen, z. B. in wichtigen Fragen zwischen Toletus und Fonseca gewählt werden müssen), nicht verwirklicht worden. Auf der siebten Generalkongregation (1615-1616) wurde vielmehr die Sache wieder vertagt: «ob varias gravesque a multis in medium allatas causas ... nec videri nunc idoneum huic rei tempus esse.» Diese offiziellen Beschlüsse verneinen selbstverständlich nicht, dass schon im 16. Jahrhundert inoffizielle cursus philosophici im Schulgebrauch waren; die Aristoteles-Cyklen von Franz Toletus und Petrus Fonseca waren ja schon da.

{60} Das im Text folgende Zitat wird eingeleitet durch Klagen über den Tiefstand des philosophischen Studiums im 16. Jahrhundert; weil die epistola, soweit ich sehe, nur der seltenen ersten Ausgabe der Disputationes metaphysicae (Mainz 1600) vorgedruckt ist, sei die Stelle angeführt: «Quo magis dolendum deplorandumque est, nostris temporibus exstitisse homines ingenii juxta ac doctrinae fama celebres, qui cum prisco illo Apollonio Rhodio Philosophiae nomen tam nobile, tam in omnibus Europae Academiis decantatum, non solum in summum odium vocare ausi fuerint, sed etiam Philosophorum Principem Aristotelem cum omnibus interpretibus Graecis atque Latinis totasque subtiliores Scholas Lyceo excedere jusserint, nempe ut eorum loco nescio quae hominum tribolarium compendia, epitomas, erotemata, syntagmata, nucleos, quaestiunculas, aut si qua alia nomenclatio placuit, hoc est rivulos fonti, umbram corpori, luci nebulas ... supponerent.» – Ganz ähnlich klagt der Tübinger Aristoteliker Jacob Schegk († 1587) über die Kompendienphilosophie seiner Zeit; s. Emil Weber, Die philos. Scholastik des deutschen Protestantismus usw. S. 14; vgl. G. M. Pachtler, Ratio Studiorum etc. tom. I p. 224 über die Reform des philosophischen Unterrichts in Ingolstadt 1578.

{61} Commentarii Collegii Conimbricensis S. J. 1591 ss. 5 Bände; Collegium Complutense philosophicum discalceatorum fratrum Ord. B. M. de monte Carmeli 4 Bände seit 1624; über die Verfasser und den Inhalt der Bände s. Wetzer u. Weltes Kirchenlexikon 3 Bd., 2. Aufl., Freiburg 1884, Kol. 954 ff. und 769 ff.

 0   I   II   III   IV   V   VI   VII 


Fundación Gustavo Bueno
www.fgbueno.es